Governance an Hochschulen – GEW-Vernetzungsveranstaltung in Osnabrück diskutiert Papier des Wissenschaftsrates

24. September 2019 | Von | Kategorie: Hochschule

Drei Monate nach dem ersten Vernetzungstreffen (siehe hierzu: E&W 5/2019, S. 23) haben sich am 5. Juli 2019 Studierende und Wissenschaftler*innen der Universitäten Osnabrück, Göttingen und Oldenburg sowie Vertreter des Referats Ausbildung, Fortbildung, Hochschule und Forschung (AFHF) in Niedersachsen zu einem zweiten Workshopnachmittag in Osnabrück getroffen. Ausgerichtet wurde das Treffen erneut vom AK Initiative Hochschulen der GEW Osnabrück-Stadt zusammen mit der studentischen Initiative „besser studieren und arbeiten“ an der Universität Osnabrück.

Thematisch ging es auch diesmal um Veränderungen in der Hochschulsteuerung: Im Oktober 2018 hat der Wissenschaftsrat „Empfehlungen zur Hochschulgovernance“ veröffentlicht. Das Papier ist bislang eher randständig rezipiert und kommentiert. Yoshiro Nakamura (AK Initiative Hochschulen der GEW Osnabrück-Stadt) stellte in seinem Impulsvortrag die verschiedenen Governance-Möglichkeiten vor, die der Wissenschaftsrat diskutiert, und analysierte die dahinterliegenden Grundvorstellungen. Der Ansatz des Wissenschaftsrates – bei aller Diffusität, die einem Papier eigen ist, das in einer großen, heterogenen Gruppe wie dem Wissenschaftsrat entsteht, – ist offenkundig von der immer wiederkehrenden Forderung geprägt, dass hierarchisch-elitäre und kollegial-partizipative Steuerungsstrukturen eine Balance halten sollen. Diesem appellativen Ansatz sei entgegen zu halten, dass die Durchdringungsdynamik der hierarchischen und wettbewerblichen Steuerungsmodi bis in die tägliche Arbeit und das Studium durch den Wissenschaftsrat deutlich unterschätzt wird. Anhand anderer Governance-Beschreibungen wird erkennbar, dass die Hochschulen sich längst nicht mehr in einer Governance-Balance befinden und sich einen „Kern“ der egalitär-kollegialen Kooperation erhalten könnten, sondern sich in deutlich ausgeprägter Art dem wettbewerblich-ökonomischen Regime angepasst haben und dabei einem Transformationsprozess unterliegen.

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine Diskussion über (Aus-)Wirkungen verschiedener Steuerungsmodi und -instrumente auf die Handlungsmuster und Arbeitskulturen an den Hochschulen. Der Einfluss der Instrumente zeigt sich nicht nur in direkten Wirkungen von Maßnahmen, sondern vor allem auch in einer Veränderung der übergreifenden Arbeits- und Studienkultur, die schwer zu fassen oder konkret zu belegen ist, aber die Werte und Grundsätze hochschulischer Arbeit substanziell verändert.

Im zweiten Teil des Nachmittages stand die strategische Ausrichtung des Netzwerkes im Mittelpunkt. Dabei zeigten sich vor allem zwei Handlungsperspektiven: Auf der einen Seite ist es erklärtes Ziel, die Basis des Netzwerks stetig zu vergrößern und auch andere Hochschulstandorte mit ins Boot zu holen. Zum anderen soll die theoretische und empirische Auseinandersetzung mit den Wirkmechanismen von strukturellen Veränderungen auf die Arbeits- und Studienbedingungen und -kulturen vorangetrieben werden.

Das nächste Netzwerktreffen findet am 25. Oktober 2019 statt. Alle Engagierten und Interessierten sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen gibt es unter https://os-stadt.gewweserems.de/hochschulen/, direkter Kontakt zum AK Initiative Hochschulen der GEW Osnabrück-Stadt über: hochschulen@gew-osnabrueck.de. Hierüber ist auch die Anmeldung möglich.

Kommentare sind geschlossen