GEW fordert vierte Gesamtschule für Osnabrück

7. Januar 2015 | Von | Kategorie: Aktuelles, Pressemitteilungen & Positionen

Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung am 12.12.2014 

Als Vertreter der GEW fordern (v.l.) Bernd Glüsenkamp, Ulrich Bösch und Astrid Müller eine vierte Gesamtschule für Osnabrück. Foto: Jörn Martens

Als Vertreter der GEW fordern (v.l.) Bernd Glüsenkamp, Ulrich Bösch und Astrid Müller eine vierte Gesamtschule für Osnabrück. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Noch steht die Entscheidung aus, wo und wann in Osnabrück eine dritte Gesamtschule und damit eine zweite Integrierte Gesamtschule (IGS) eingerichtet wird, da fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schon eine vierte Gesamtschule.

Was sich hinter dieser Forderung verbirgt, erläutern in einem Gespräch mit unserer Redaktion Astrid Müller und Ulrich Bösch, beide Vorsitzende des GEW-Kreisverbandes Osnabrück-Stadt, sowie Bernd Glüsenkamp, in der GEW der Mann für Bildung, Reformen und Zukunft.

Die Entscheidung über eine dritte Gesamtschule ist noch gar nicht gefallen, da fordern Sie schon eine vierte. Wie das?

Müller: Wenn man sich die Zahlen ansieht, stellt man fest, dass in diesem Sommer die Gesamtschulen im Stadtgebiet etwa 150 Schüler ablehnen mussten. Das würde bei einer Fünfzügigkeit 30 Schüler pro Klasse bedeuten. Das ist sehr viel. Wir würden es begrüßen, wenn zwei etwas kleinere Integrierte Gesamtschulen angeboten würden.

Wer bitte soll das bezahlen?

Bösch: Wir setzen uns für schulpolitische Fragen ein. Über die Finanzierung muss sich dann der Träger Gedanken machen. Wir können nicht für die Finanzierung sorgen. Das ist nicht unser Problem und auch nicht unsere Aufgabe.

Zwei Gesamtschulen brauchen zwei Standorte. Die Stadt tut sich derzeit schon schwer, einen einzigen Standort zu finden.

Müller: Über die Finanzierung können wir wenig sagen. Nur so viel: Es gibt durchaus Standorte, an denen sich in unseren Augen die Einrichtung einer Gesamtschule anbietet. Einer davon ist die Hauptschule Innenstadt. Hier sind ohnehin Veränderungen geplant, die allerdings nicht unseren Vorstellungen entsprechen.

Warum?

Bösch: Das Konzept „Neue Schule“ zielt eher auf eine bessere Förderschule ab und berücksichtigt nur zum Teil die Inhalte einer IGS. Wir wünschen da eine IGS für alle Schüler, auch die Schülerschaft mit einer gymnasialen Empfehlung.

Sie wollen aber auch jene Schüler ansprechen, die schon jetzt dort unterrichtet werden in der Hauptschule Innenstadt und in der Schule an der Rolandsmauer, einer Schule für Schüler mit besonderem Förderbedarf?

Bösch: Sicher. Wir könnten uns an dem Standort Innenstadt eine konzeptionelle Fortentwicklung vorstellen, zum Beispiel mit einer intensiven Berufsorientierung. Eine Profilbildung mit beruflichem Schwerpunkt halten wir auch für eine gymnasiale Schülerschaft für gut und richtig.

Politik und Verwaltung haben derzeit ganz andere Standorte vor Augen.

Glüsenkamp: In unseren Augen gibt es drei Standorte, an denen eine IGS möglich wäre: am Kalkhügel mit dem Graf-Stauffenberg-Gymnasium und der Bertha-von Suttner-Schule, in der Wüste mit dem Gymnasium „In der Wüste“ und der Erich-Maria-Remarque-Realschule sowie im Schulzentrum Sonnenhügel. An allen drei Standorten wäre eine IGS ohne großen finanziellen Aufwand möglich.

Muss nicht auch auf die Verteilung der Gesamtschulen im Stadtgebiet geachtet werden? Käme eine IGS in den Sonnenhügel, wäre der Norden deutlich überrepräsentiert, wohingegen im Süden gar nichts stattfinden würde.

Müller: Das können wir nur empfehlen. Da wäre sicherlich zum Beispiel der Standorte Wüste zu überdenken, der auch für Schüler aus Hasbergen gut zu erreichen wäre.

Sie loben das Konzept der IGS in Eversburg. Diese Schule hat gerade für 15 Millionen Euro einen Neubau bekommen, der unter anderem mit Differenzierungsräumen auf die pädagogischen Anforderungen einer IGS eingeht. Die wären so an den anderen Standorten ohne große Baumaßnahmen nicht zu realisieren.

Glüsenkamp: In einer qualitativ guten IGS, wie wir sie fordern, gibt es inklusiven Unterricht im Klassenverband bis Klasse acht. Zusätzliche Differenzierungsräume sind nicht erforderlich.

Zum Nulltarif wird es eine IGS dennoch nicht geben, erst recht keine zwei. So ganz werden Sie sich um die Finanzierungsfrage nicht drücken können.

Bösch: Wir würden die Kommunen gerne unterstützen, um auch Bundesmittel einzutreiben.

Wie soll das gehen?

Bösch: Zum Beispiel durch gemeinsame Initiativen. Die Sammelklage zu den Kosten der Inklusion ist ein gutes Beispiel, wie Gelder eingefordert werden können. Da könnte man in Berlin mal anklingeln.

Schule ist Ländersache.

Bösch: Das müsste in Zusammenarbeit mit den Kultusministern laufen. Die Kultusministerkonferenz wäre ein Gremium, um gemeinschaftlich einen Appell an die Bundesregierung zu richten. Bildungspolitik wird immer wieder zum Zankapfel der großen Politik. Wir brauchen aber endlich den Bildungszugang für alle Kinder ohne Wenn und Aber. Das ist eine Frage des politischen Bewusstseins.

Sie haben drei mögliche Standorte für eine IGS genannt. An keinem schlägt das Herz der betroffenen Kollegen für eine IGS. Mit anderen Worten: Überall darf mit heftigem Widerstand gerechnet werden.

Bösch: Die Frage nach dem Standort ist nicht die allein entscheidende. Wichtiger ist, dass das Konzept der IGS vom Kollegium getragen wird. Es wäre begrüßenswert, Kollegien für die Arbeit an IGSen zu begeistern.

Die Kommune stellt die Räume, das Land das Personal. Tut das Land hier genug, um den pädagogischen Ansprüchen einer IGS gerecht zu werden?

Müller: Unsere Forderung an das Land ist, die Klassenfrequenzen zu senken. Deshalb wollen wir ja auch eine dritte IGS. Zwei kleinere Schulen mit kleineren Klassen würden die Rahmenbedingungen für gute Integrierte Gesamtschulen erfüllen.

Bösch: Wir wollen keine Schulen, wo nur IGS dran- steht, aber keine IGS drin ist.

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